Das Babyprojekt – Ein Versuch

Babyprojekt ein Versuch

Liebes Tagebuch, inspiriert von Anne Fines Roman „Das Baby- Projekt“, startet unsere Klasse jetzt ein Projekt, welches dem in diesem Buch beschriebenen ähnelt. Dazu soll uns als „Baby-Ersatz“ eine Puppe oder auch ein Stofftier dienen.

Natürlich schreit dieser nicht. Er muss auch nicht gefüttert werden. Und wir müssen auch keine Windeln wechseln. Doch wir werden ihn überall mit hinnehmen und auf ihn aufpassen. Wenn dies einmal nicht möglich sein sollte, müssen wir einen verantwortungsbewussten Babysitter engagieren. Das Projekt führten wir vom 14.02.2011 bis zum 18.02.2011 durch.

Montag, 14.02.2011

Heute habe ich seit der Deutschstunde den Tag mit meinem Baby gemeinsam verbracht. Ich habe mir einen Teddybären ausgesucht. Ich trug ihn durch die Schule, was mir einige merkwürdige Blicke einbrachte. Doch das schwierigste war der Weg nach Hause, da ich und meine Freundin mit dem Fahrrad da waren. Da in meinem einen Arm ja der Teddybär lag, konnte ich mein Fahrrad nur mit einer Hand schieben. Dies war nicht gerade einfach, und noch dazu taten meine beiden Arme höllisch weh.

Ich merkte jedoch bald, dass mein Teddybär kein wirklich guter Baby- Ersatz war. Er war etwas zu klein, so dass ich ihn nicht wie ein echtes Baby festhalten konnte. Außerdem war er federleicht, und das ist ein echtes Baby, zumindest wenn man es länger als fünf Minuten auf dem Arm hat, mit Sicherheit nicht. Deshalb entschied ich mich, ihn doch gegen einen anderen Baby- Ersatz einzutauschen. Das wäre mit einem echten Baby natürlich keinesfalls möglich. Doch da ich die Anforderungen, die ein Baby hat, so genau wie möglich nachempfinden wollte, tat ich es trotzdem. So tauschte ich den Teddybären gegen eine „Baby Born“. Nancy* und ich entschieden uns, unseren Puppen auch Namen zu geben, echte Babys bekommen schließlich auch welche. Meine heißt nun Kimberly Olivia Annabell. Eigentlich mag ich keine Doppelnamen. Doch meinem Kind habe ich jetzt sogar gleich drei Namen gegeben. Ich konnte mich eben einfach nicht entscheiden. Aber ich hatte ja auch nur einen Tag Zeit, anstatt den gewöhnlichen neun Monaten.

Im Moment überlege ich gerade, wo meine Kimberly heute Nacht schlafen soll. Ich denke, ich werde ihr ein gemütliches Bettchen auf dem Sofa verschaffen. Eine andere Möglichkeit habe ich wohl nicht. Also werde ich mir eine Decke und ein Kissen suchen, ihr Bett zurrecht machen, und dann schlafen gehen.

Dienstag, 15.02.2011

Den zweiten Tag mit dem Baby liefen wir zur Schule, da es ziemlich unpraktisch mit dem Fahrrad war. Was ich ziemlich schade finde ist, dass viele ihre Babys heute gar nicht noch einmal mitgebracht haben, oder sie immer in ihre Rucksäcke quetschen. Natürlich ist es nicht einfach, doch gegen die Aufgaben, die wir mit einem echten Baby bekommen würden, ist das hier schließlich noch gar nichts. In der Schule starrten uns die meisten regelrecht an. Die Lehrer reagierten ziemlich unterschiedlich, manche neugierig, manche eher belustigt, manche auch etwas genervt. Auf dem Nachhauseweg sprachen uns plötzlich zwei Frauen an, „ob das denn jetzt ein neuer Trend sei“. Daraufhin erklärten wir ihnen, dass dies ein Schulprojekt ist, und worum es darin geht. Als wir dann ins Einkaufszentrum gingen, liefen wir an einer Gruppe Mädchen vorbei. Sie erzählten miteinander und kicherten. Doch als sie uns sahen verstummten sie plötzlich. Sie drehten sich alle nach uns um und sahen uns geschockt nach. Erst als wir vorbei waren, begannen sie zu tuscheln. Das ganze fand ich ziemlich amüsant. Was mir nicht sehr gefällt, ist, dass meine Arme ziemlich schmerzen. Aber ich denke, bis jetzt gelingt mir alles ganz gut. Doch es ist ja auch erst der zweite Tag…

Mittwoch, 16.02.2011

Heute hatte unsere Klasse Wandertag. Wir fuhren mit dem Zug nach Erfurt, Kimberly war natürlich auch mit dabei. Viele steckten ihre Babys einfach in den Rucksack, was ich etwas verantwortungslos fand. Da mir schon während wir zum Zug gelaufen sind, der Arm ziemlich wehtat, bettete ich Kimberly dann zwar auch in meine Tasche. Dies tat ich jedoch so, dass sie noch Luft bekam. Im Zug starrten uns die Leute ziemlich an, einige lachten auch. Dann begegneten wir beim Umsteigen einer anderen Klasse. Eines der Mädchen schrie Nancy plötzlich hinterher: „Noch nicht mal 15 und schon ein Kind!“ Offensichtlich hatte sie trotz der für die Größe des Kindes ungewöhnlich langen Haare nicht erkannt, dass es sich lediglich um eine Puppe handelte.

In Erfurt teilte sich unsere Klasse dann, die eine Gruppe ging zum Eislaufen, die andere besichtigte den Dom. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. Als wir dann durch Erfurt liefen, hatte ich das Gefühl, dass man uns nicht so anstarrte wie in Rudolstadt. Wir schauten uns den prächtigen Dom an und anschließend schlenderte ich mit meinen Freunden noch gemütlich über den Weihnachtsmarkt. Natürlich gab es hin und wieder ein paar Leute, die sich noch einmal noch uns umdrehten. Doch so viele wie in Rudolstadt waren es mit Sicherheit nicht.

In einem Geschäft wurde Nancy dann von einer Frau gefragt, ob das denn die Puppe ihrer Schwester sei. Darauf erklärte ihr Nancy, was es mit dieser auf sich hat und um was es in unserem Projekt geht. Ich denke, die Frau hielt das Projekt für eine gute Idee. Im „Anger 1“ schaute uns wieder eine Frau ziemlich verdutzt an. Deshalb fragte Nancy sie, was sie denn im ersten Moment gedacht hat, als sie uns mit den „Babys“ gesehen hat. Doch die Frau war ganz erschrocken und stotterte nur „Nichts, nichts.“

Am Abend gingen Nancy und ich dann zu unserem wöchentlichen Kurs. Unsere Therapeutin fragte gleich, wozu denn die Puppe sei. Darauf erklärten wir auch ihr das Projekt. Sie war ziemlich erstaunt. Doch sie fand auch, dass wir dabei mit Sicherheit einiges lernen.

Donnerstag, 17.02.2011

Nun ist der vorletzte Tag mit meinem Baby fast zu Ende. Es geht mir zwar mittlerweile ziemlich auf die Nerven, doch ich habe mich schon richtig daran gewöhnt, Kimberly überall mit hinzunehmen. Ich hatte heute das Gefühl, dass sich auch die Leute in der Schule schon so etwas daran gewöhnt haben, uns mit den Puppen herumlaufen zu sehen. Oder vielleicht haben wir uns auch nur an die fragenden Blicke gewöhnt. Ich denke, das ist wahrscheinlicher. Denn in der Stadt kam es mir auch so vor, als würden uns die Leute nicht mehr so anstarren. Ich habe auch gar nicht mehr so darauf geachtet.

Freitag, 18.02.2011

Heute war der letzte Tag mit meinem Baby. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich froh bin, dass das Projekt jetzt vorbei ist. Doch ich bin auch glücklich, teilgenommen zu haben. Denn jetzt bin ich um einige Erfahrungen reicher. Ich weiß jetzt, wie anstrengend es ist, irgendetwas überall mit hinnehmen zu müssen. Es hört sich natürlich nicht sehr schwer an, doch das ist es. Allein diese Aufgabe immer im Hinterkopf zu behalten, war am Anfang gar nicht so einfach. Dann kam auch noch hinzu, dass mein Baby- Ersatz nicht gerade leicht war. Daher taten ständig meine Arme weh. Doch gegen ein echtes Baby war meine Puppe ja noch wirklich leicht… Dann kommen bei diesem ja noch viel, viel mehr Aufgaben hinzu. Ich denke, es muss sehr schwer sein, für ein Baby zu sorgen. In meinem Alter wäre das wohl eine Aufgabe, die allein keines Falles zu bewältigen wäre. Aber selbst mit Hilfe, zum Beispiel von den Eltern, wäre es wohl sehr schwierig. Dies sollte man immer bedenken, und darum auch sehr auf sichere Verhütung achten. Mir hat das Projekt trotz der Probleme, die es mit sich gebracht hat, gefallen. Es hat uns gezeigt, wie schwer es sein muss, für ein Baby zu sorgen. *Name geändert

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Veröffentlicht im: Ratgeber   Quelle: Shinyachan    Autor: Jan
Bild: Paul Hakimata/aboutpixel.de
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