Erzwungene Gespräche im Zug

Gespräche im Zug

Man reist mit Kind und schon hat man so gut wie keine Chance, einem Gespräch auf einer längeren Zugfahrt auszuweichen. Aber wie verhält man sich? Ich bin auf dem Weg zu meinen Eltern. Im Zug. Mit meinem Kind. Quer durch Deutschland. Da es noch sehr klein ist, reserviere ich einen Platz für uns im Kleinkind-Abteil der Bahn. Gute Erfahrung, alles super. Aber ich werde nicht die Einzige sein, die auf die Idee kommt, dort zu reservieren.

Kaum eingestiegen, steigt schon an der nächsten Haltestelle die nächste Mami mit ihrem kleinen Kind ein, da bin ich mir sicher. Alles kein Problem. Oder doch? Es möchte noch erwähnt sein, dass ich sicher nicht der kommunikativste Mensch der Welt bin. Aber natürlich unterhalte auch ich mich gerne. Auch mal mit Fremden. Aber wie viel Unterhaltung muss sein?

Die Zugfahrt beginnt

Die Strecke Wir Start bis Wir Ziel ist unwahrscheinlich lang. 6,5 Stunden Fahrtzeit sind angedacht. Da mein Kleines noch keinen Mittagsschlaf gemacht hat, sollte es das nun tun. Und dann, ich wusste es! Gleich die nächste Station, wir haben noch nicht einmal die Stadt verlassen und die Tür geht auf und die zweite Mami mit Kind kommt hinein. Man begrüßt sich nett und ich denke, dass ich mich nun weiter darum kümmern kann, mein Baby dazu zu bewegen, den längst überfälligen Mittagsschlaf zu beginnen. Falsch gedacht. Denn Mami Nr. Zwei hat gleich eine Geschichte, die sie mir erzählen möchte. Nicht unfreundlich, nicht wirklich aufdringlich, aber ein wenig unangenehm. Denn es bleibt nicht bei dieser einen Geschichte. Irgendwann frage ich sie, bis wohin sie fährt. Die Antwort freut mich nicht wirklich, denn die Hälfte der Fahrt wird sie mich weiter mit ihren Geschichten unterhalten können. Nicht, dass falsche Gedanken aufkommen, die Dame ist wirklich nett. Aber ich bin eben auch ganz gerne einfach nur mal still.

Muss ich da durch?

Nun stellt sich mir im Stillen die Frage, wie lange oder wie intensiv sollte ich mich aber nun mit ihr unterhalten, um nicht als unkommunikative, arrogante Zicke da zu stehen? Leider gibt es für solche Situationen keinen allgemeingültigen Knigge, also erstelle ich mir meinen Eigenen. Und der besagt, dass ich mich ca. die Hälfte der Zeit, die wir gemeinsam verbringen werden, unterhalten sollte. Setzt natürlich voraus, dass ich weiß, wie lang dies sein wird. Gesagt, getan. Mein Kind schläft endlich, mein Brötchen ist nach langem Warten auch gegessen und die nette Dame schnattert immer noch.

Bin ich unhöflich?

Ich finde, ich habe mir jetzt eine Mittagspause verdient. Eine Mittagspause ganz alleine nur für mich. Ich entschuldige mich bei der Dame, sage, dass ich noch zu arbeiten hätte und öffne mein Notebook und schreibe genau diesen Artikel. Ein wenig später muss ich auf die Toilette. Habe die letzten 20 min kein Wort mehr gesagt und nur auf meinen Bildschirm gestarrt und wie verrückt auf die Tasten gehauen. Nun aber bitte ich eben diese Dame, dass sie einen kurzen Augenblick auf meinen, immer noch schlafenden, Nachwuchs schaut, während ich mal eben draußen bin. Ist das gemein? Egoistisch? Ich weiß es nicht, habe aber auf jeden Fall ein schlechtes Gewissen. Oder habe ich das nur, weil ich das Notebook offen gelassen habe und sie rein theoretisch lesen könnte, was ich die letzten 20 Minuten geschrieben habe? Wieder zurück im Abteil, schließe ich den PC und unterhalte mich mit ihr bis sie aussteigen muss…..

Das Endergebnis ist: Ich kann mich nicht einmal an meinen Knigge halten, klasse. Also werde ich die Rückfahrt in einigen Tagen wohl nutzen, um mir eine neue Strategie auszudenken. Leider bin ich mir jetzt schon ziemlich sicher, dass ich mich auch noch auf dieser Rückfahrt schon nicht mehr an den neuen Plan halten werde.

Vorschlag

Bitte, liebe Reservierungsstellen für Kleinkindabteile der Bahn, entwerft ein Dokument, wie man sich in solchen Situationen zu verhalten hat und gebt es zu jeder Reservierung mit dazu. So können keine Missverstände aufkommen und jeder weiß, wie er sich zu verhalten hat!

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Veröffentlicht im: Ratgeber   Quelle: Valerina    Autor: Jan
Bild: Martin Gfrerer/aboutpixel.de
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